Ausdruck der Vielschichtigkeit der Wechseljahre

Sind die Wechseljahre ein rein körperlicher Prozess?

Wechseljahre und psychische Aspekte – eine oft unterschätzte Dimension

Willkommen zurück zu meiner Serie über die Wechseljahre.

Heute möchte ich mich mit einer zentralen Frage befassen:
👉 Wirken die Wechseljahre nur auf körperlicher Ebene – oder betreffen sie auch unsere Psyche, unser Fühlen und unser Selbstbild?

Vielleicht hast du meinen Fragebogen ausgefüllt und bist zu dem Schluss gekommen, dass du vermutlich in den Wechseljahren bist – oder eben (noch) nicht.

Als es bei mir losging, war ich ehrlich gesagt not amused. Ich habe mich nicht besonders gut gefühlt und hatte anfangs große Mühe, die Veränderungen in meinem Fühlen, meinen Körperempfindungen und meinen Bedürfnissen zu akzeptieren.
Besonders irritierend war für mich, dass ich plötzlich deutlich weniger Lust auf Gesellschaft hatte. Ich war häufig erschöpft und wollte vor allem meine Ruhe haben. Als sehr kontaktfreudige Person war das – gelinde gesagt – gewöhnungsbedürftig.

Hormonelle Prozesse – mehr als nur eine körperliche Veränderung

Wie in den letzten Beiträgen dieser Serie über die Wechseljahre bereits deutlich geworden ist, sind hormonelle Einflüsse alles andere als eine kleine Randnotiz unseres Lebens.
Sie sind maßgeblich verantwortlich für unser Allgemeinbefinden, unsere emotionale Grundverfassung sowie unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit.

Jede Frau kennt – in unterschiedlicher Intensität – die wechselnden Zustände im Verlauf eines Monatszyklus. Meist fühlen wir uns nach der Periode bis zum Eisprung tatkräftiger, klarer und stabiler, als in der Phase vor der nächsten Blutung. Diese Unterschiede sind selten Zufall oder einfach „ein schlechter Tag“, sondern stark hormonell geprägt.

Das gilt auch – und ganz besonders – für die Wechseljahre.
Ich sage damit nicht, dass wir willenlose Opfer hormoneller Abläufe sind. Aber diesen Einfluss zu ignorieren, wird der mächtigen Energie hormoneller Prozesse in unserem Körper nicht gerecht.
Bewusstsein hilft uns, den sprichwörtlichen „Drachen zu reiten“ und einen guten Umgang mit den inneren Wellenbewegungen zu finden.

In den Wechseljahren werden die gewohnten hormonellen Abläufe jedoch zunächst regelrecht durcheinandergewirbelt. Statt klarer Muster erleben viele Frauen chaotische Veränderungsprozesse. Der Drache muss nun durch einen Taifun gesteuert werden – kein leichtes Unterfangen.

Wechseljahre und psychische Aspekte: Was verändert sich noch?

Auch wenn die Wechseljahre körperlich initiiert werden, betreffen sie bei vielen Frauen weit mehr als nur den Körper.
Die psychischen Aspekte der Wechseljahre sind oft tiefgreifend:

  • Veränderungen der Leistungsfähigkeit
  • Ängste rund ums Älterwerden
  • ein verändertes sexuelles Erleben
  • Zweifel am eigenen Selbstbild als Frau
  • Schwankungen im Selbstwertgefühl

Hinzu kommt ein oft unterschätzter Punkt:
Unser gesamtes System benötigt in dieser Umbruchphase so viel Energie und Aufmerksamkeit, dass bisher gut funktionierende Verdrängungsmechanismen nicht mehr aufrechterhalten werden können. Alte, schmerzhafte oder belastende Erfahrungen drängen an die Oberfläche.

Deshalb erleben viele Frauen in den Wechseljahren etwas, das sich wie ein „Gesamtzusammenbruch“ anfühlt.
Man könnte es jedoch auch anders nennen: einen Aufbruch.
Etwas bricht auf – und wir brechen auf in eine neue Lebensphase mit ungeahnten Möglichkeiten.

Ein kleiner Impuls für herausfordernde Tage

Wenn du das Gefühl hast, dass dir in den Wechseljahren alles über den Kopf wächst, probiere eine einfache, aber wirkungsvolle Übung:

Nimm dir täglich 2–5 Mal ein paar Minuten Zeit für 10 bewusste, tiefe Atemzüge.
Ein Großteil unseres inneren Dramas spielt sich im Kopf ab. Bewusstes Atmen hilft, wieder im Hier und Jetzt anzukommen – und das Drama in seine Schranken zu verweisen.

Beim Ausatmen kannst du dir vorstellen, wie du alles loslässt, was dich belastet.
Beim Einatmen nimm wahr, wie du dich von innen immer klarer spürst.
Komme ganz bei dir an – im Hier und Jetzt. Dort ist meist mehr Stabilität, als wir denken.

In den nächsten Beiträgen dieser Serie werde ich weitere psychische und emotionale Aspekte der Wechseljahre beleuchten.
Im nächsten Post geht es um die besondere Wirkweise von Östrogen – und warum es sogar ein Segen sein kann, wenn der Östrogenspiegel im Körper sinkt.

Wenn du Fragen oder eigene Erfahrungen teilen möchtest, freue ich mich sehr über den Austausch.
Schreib mir gern – ich beantworte individuelle Fragen, soweit es mir möglich ist.

Bis bald
Deine Katrin✨