In diesem Beitrag meiner Artikelreihe über die Wechseljahre möchte ich dir einen wichtigen Zusammenhang auf der hormonellen Ebene näherbringen: den Einfluss von Stress auf die Wechseljahre.
Dabei spielt ein Hormon eine zentrale Rolle: Cortisol.
Cortisol wird in unseren Nebennieren gebildet und sorgt dafür, dass wir Energie mobilisieren können. Gleichzeitig ist es unser wichtigstes Antistresshormon, das überschießende Stressreaktionen im Körper reguliert.
Gerät unser System unter Stress, wird zunächst Adrenalin ausgeschüttet. Dieses Hormon versetzt uns in Sekundenbruchteilen in Alarmbereitschaft:
Ohne einen regulierenden Mechanismus könnte diese Stressreaktion schnell gefährlich werden. Genau hier kommt Cortisol ins Spiel: Es sorgt unter Anderem dafür, dass sich unser Körper nach der Stressreaktion wieder beruhigt.
Normalerweise funktionieren Hormone im Körper nach dem sogenannten Schlüssel-Schloss-Prinzip.
Das bedeutet: Jedes Hormon kann nur an ganz bestimmte Rezeptoren andocken.
Cortisol bildet hier eine Ausnahme. Dieses Hormon ist so wichtig für unser Überleben, dass es in Extremsituationen auch an andere Rezeptoren andocken kann – zum Beispiel an den Progesteronrezeptor.
Genau hier entsteht in den Wechseljahren ein Problem.
Im Verlauf der Perimenopause sinkt zunächst der Progesteronspiegel. Das Gehirn registriert diese hormonelle Veränderung und interpretiert sie teilweise als Störung oder Stresssignal. Darauf reagiert der Körper mit einer verstärkten Stressreaktion.
Die Folge:
Der Körper produziert mehr Cortisol.
Wenn der Cortisolbedarf dauerhaft erhöht ist, kann es passieren, dass Cortisol an den Progesteronrezeptoren andockt. Dadurch steht dieser Rezeptor für Progesteron nicht mehr zur Verfügung.
Das Ergebnis:
Zu den hormonellen Veränderungen kommt häufig noch der Stress des Alltags hinzu:
Chronischer Stress gilt heute als einer der wichtigsten Faktoren, die das hormonelle Gleichgewicht in den Wechseljahren zusätzlich belasten können.
Stressreaktionen sind grundsätzlich natürliche und hilfreiche Mechanismen unseres Körpers.
Problematisch wird es erst, wenn Stress dauerhaft aktiv bleibt.
In unserer heutigen Gesellschaft leben viele Menschen mit einem chronisch erhöhten Stresslevel. In den Wechseljahren können die hormonellen Veränderungen diese Belastung noch verstärken.
Deshalb ist Stressreduktion gerade in dieser Lebensphase besonders wichtig.
Wenn du lernst, Stress bewusst zu regulieren, kann das helfen:
Vielleicht möchtest du dir einmal bewusst anschauen, welche Stressauslöser es aktuell in deinem Leben gibt.
Nimm dir ein paar Minuten Zeit und schreibe auf:
Gerade in den Wechseljahren entsteht Stress häufig aus einem unerfüllten Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug.
Oft zeigen sich auch alte Rollenbilder, die nicht mehr zur aktuellen Lebensphase passen.
Allein diese Erkenntnis kann bereits ein wichtiger Schritt zu mehr innerer Klarheit sein.
Im nächsten Beitrag dieser Reihe geht es um verschiedene Ebenen der Stressbewältigung in den Wechseljahren und darum, wie du dein Nervensystem gezielt unterstützen kannst.